Ein Tag im Kopf von: Silvio

Nach amerikanischem Vorbild überwachen wir heimlich die Gedanken unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Diese wissen nichts von den hier vorliegenden Dokumenten und können für allfällige böse Gedanken gegenüber Dritten weder verantwortlich noch haftbar gemacht werden.

 

«Sile, kannst du mal einen Blick auf das Gut-zum-Druck werfen?»

Mir war, als hört ich gerade eine Stimme. Oh, da bewegt sich was auf meinem Bildschirm. Ach so, nur die Maus. Komisch. Maus und Maus – das gleiche Wort für zwei Dinge. Also Computermaus und Maus-Maus. Faszinierend. Homonyme nennt man das. Wie beim Menschen. Zwei Gleiche. Halt. Jetzt bin ich vom Thema abgekommen. Was war denn schon wieder das Thema? Da war doch was. Da war doch jemand.

«Sile? Das Gut-zum-Druck?»

Ach ja, das Gut-zum-Druck. Dabei ist Druck eigentlich gar nichts Gutes. Ein wenig Druck braucht’s ja immer. Aber zu viel Druck ist nicht gut. Aber zeig’s jetzt mal her. Ja. Perfekt. Alles Gut-zum-Druck.

Wo war ich denn? Jetzt erst mal Kaffee und ne Zigarette. Ein bisschen raus. Zweiundfünfzig. Dreiundfünfzig. Vierundfünfzig. Von meinem Büro in die Küche sind’s vierundfünfzig Schritte. Wenn ich pro Tag etwa sechs Mal in die Küche und wieder zurück gehe, sind das 324 Schritte. Eine schöne Zahl. In der Architektur nimmt man an, dass die durchschnittliche Schrittlänge eines Menschen 63 cm beträgt. Dann sind das pro Tag 20’412 cm. Oder 204,12 Meter. Und pro Arbeitswoche 1’020,6 Meter, also ziemlich genau ein Kilometer. Und wenn man jetzt bedenkt, dass ich rund 45 Wochen pro Jahr arbeite ... Meine Güte, ich laufe jedes Jahr mehr als einen Marathon! Da sollen die andern noch mal behaupten, ich sei nicht sportlich!